Wie gesagt, ich bin irgendwie immer noch geflasht, weil mich der Film auf unbeschreibliche Weise ein bisschen sprachlos zurückgelassen hat. In diesem (irgendwie ziemlich untergegangen) kleinen Werk, das ich irgendwo zwischen Horror und Psychothriller einordnen würde, steckt einfach so viel drin, dass man es kaum in Worte fassen kann und erst mal auf sich wirken lassen muss. Und für mich hatte dieser gekonnt erzählte Horror-Thriller so einige interesannte Facetten – und auch eine gewisse Sogwirkung.
Einige Rezensenten konnten mit "The Man in my Basement" so gar nichts anfangen, bezeichnen ihn als Zeitverschwendung und unterstellen ihm, dass er so viel Potenzial liegen gelassen hätte, weil er viele der angeschnittenen Handlungsstränge angeblich nicht zu Ende bringt. Ich hingegen würde eher sagen, dass er schlicht und ergreifend viel Raum für Interpretation und Reflexion lässt.
Um es kurz zusammenzufassen: Es geht um Rassismus, Kolonialisierung, Schuld, Sühne, Familie, Verantwortung und transgenerationale Traumata. Das ist zugebenermaßen viel Stoff, aber meiner Ansicht nach auch nicht zu viel, weil es in diesem verwegenen Plot auch alles irgendwie zusammengehört. Dazu gibt es noch etliche Symbole, die es für das Publikum zu deuten gilt. Und ich finde es wahnsinnig interessant, was die einzelnen Zuschauer in dieses oder jenes hineininterpretieren, worauf ich nach der ersten Sichtung noch gar nicht gekommen bin. Aber wie schon erwähnt, habe ich mir den Film gerade erst angeschaut.
Dass "The Man in my Basement" für mich so fesselnd war, lag aber nicht nur an der drückenden, düsteren und undurchdringlichen Atmosphäre, sondern auch an den überzeugenden Hauptdarstellern. Willem Dafoe ist für mich ohnehin über alle Zweifel erhaben, aber hier schafft er es wirklich überragend, den mysteriösen, undruchschaubaren Geschäftsmann zu verkörpern. Hawkins ist ihm als Gegenpart aber absolut ebenbürtig, sodass sich der Film in Ansätzen immer wieder auch als Kammerspiel gibt.
Übrigens ist der Film nur im englischen Originalton verfügbar, was mir aber gar nichts ausgemacht hat. Gerade hier glaube ich, dass das Ganze als synchronisierte Fassung viel von seinem Reiz verloren hätte. Gerade was die schauspielerische Leistung angeht. Habe ihn mir dann – einfach um sicherzugehen, nichts von der Story zu verpassen – mit deutschen Untertiteln angeschaut.
Wie schon gesagt: Ich war jedenfalls richtig begeistert, endlich mal wieder einen Film gesehen zu haben, der nicht alles komplett ausformuliert und seine Botschaft dem Publikum auf dem Silbertablett serviert, damit es überhaupt nicht mehr nachdenken muss. Ich glaube, man muss "The Man in my Basement" sogar mehrmals schauen, um auf die vielen kleinen Hinweise und Verweise zu achten.
Meine Wertung:
