Tatsächlich war ich ziemlich schnell drin in der Story, was gleich mehrere Gründe hat. Zum einen braucht die Geschichte nicht lange, um in Fahrt zu kommen, nimmt sich aber auch genügend Zeit, um die Handlung zu etablieren und Zugang zur Hauptfigur zu finden. Dass das so gut funktioniert, liegt zu einem erheblichen Teil an Rebecca Hall, die hier verdammt stark aufspielt. Sie verkörpert die trauernde Hinterbliebene, die allmählich das Doppelleben ihres vermeintlich vertrauten Ehemannes enthüllt, absolut überzeugend.
Ich denke, man kann "The House at Night" guten Gewissens als psychologischen Horror, Mystery-Thriller oder Horror-Drama bezeichnen – oder als irgendwas dazwischen. Denn neben den Grusel-Elementen hat der Film auch Drama-Anteile, die authentisch zeigen, was Verlust bedeutet. In der Figur von Rebecca Hall spiegeln sich nicht nur der Schmerz des Verlustes, sondern auch Enttäuschung wider. Wie gesagt, die Britin überzeugt, wie ich finde, auf ganzer Linie und macht den Streifen zu mehr als nur einem unterhaltsamen Horror-Beitrag. Allein das hat mir an "The House at Night" schon gefallen.
Dass dieser wohltemperierte Genre-Mix so gut funktioniert, liegt aber auch an der Stimmung und der Atmosphäre, die Regisseur David Bruckner hier erzeugt. Der Filmemacher schafft es, die Horror-Erzählung ganz selbstverständlich mit der menschlichen Tragödie zu verknüpfen – und so eine düstere Atmosphäre zu erschaffen, die gekonnt für beides steht. Zudem kratzt er mit seiner Inszenierung auch noch ein bisschen an ein Kammerspiel, weil die Story fast gänzlich von Rebecca Hall getragen wird.
Mir hat "The House at Night" jedenfalls ziemlich gut gefallen.
Meine Wertung:
