So, habe mir "Another Earth" nach Jahren (oder gar seit über einem Jahrzehnt) mal wieder angeschaut – und er hat mich tatsächlich aufs Neue geflasht. Weil in dieser feinen Independent-Produktion einfach so viel drinsteckt.
Mal den wissenschaftlichen Aspekt außen vor gelassen: Ich finde einfach fantastisch inszeniert, wie der Film es schafft, existenzielle Fragen in diesen Sci-Fi-Rahmen zu packen. Es geht um Vergebung (vor allem um Selbstvergebung) und die "Kunst", sich selbst unvoreingenommen gegenüberzutreten. Was viele Menschen nicht schaffen, weil sie sich zu sehr in ihrer Reue verlieren, sich einfach nicht verzeihen können – und traumatische Erlebnisse nicht als Teil des Lebens zu akzeptieren.
Im Bonusmaterial der Blu-ray kommt das auch zur Sprache: Die Rhoda von "Erde 1" hat (bei allem, was sie erlebt hat) vielleicht die "wertvollere" Erfahrung gemacht, weil sie an diesem schlimmem Erlebnis eigentlich nur wachsen konnte. Und das tut sie im Verlauf des Films ja auch. Sehr berührend fand ich auch, die Szenen mit Rhoda und ihrem blinden Hausmeister-Kollegen – der offensichtlich auch mit Selbstvergebung zu kämpfen hat.
Zur wissenschaftlichen Thematik: Die Therorie, dass die beiden Welten miteinander "verschmolzen" sein könnt, kommt ja gegen Ende des Films auf. Zum einen in der letzten Szene, und zum anderen vermutet Rhoda (nach einem TV-Bericht, den sie gesehen hat), dass die "Synchronizität durchbrochen wurde", als die zweite Erde entdeckt wurde – also zum Zeitpunkt des Unfalls.
Ich kann es nur wiedserholen: Für mich ist "Another Earth" ein Musterbeispiel dafür, wie fantastisch Sci-Fi sein kann, selbst wenn das Budget sehr begrenzt ist. Regisseur Mike Cahill erzählt ja auch im (leider nicht sehr ausführlichen) Bonusmaterial, dass sie einfach erst mal mit dem Film angefangen hätten und zu Beginn nicht mal das Geld für den Hausmeister-Anzug von Brit Marling dagewesen wäre. Und das Haus, in dem Rhoda mit ihrer Familie lebt, war tatsächlich das Haus von Cahills Mutter, die auch im Film mitspielt.
Übrigens gehört
"I Origins" auch zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.
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Habe den auch auf Blu-ray, aber auch schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Der hatte offensichtlich mehr Budget, ist aber mindestens genauso gut – und vielleicht sogar noch ein Stück emotionaler. Tatsächlich fand ich bisher alles gut, woran Brit Marling beteiligt war.