Lest ihr noch Nachrichten?
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Lest ihr noch Nachrichten?
Ich werfe einfach mal ganz salopp die Frage in den Raum: Lest ihr noch Nachrichten?
Damit meine ich nicht nur, ob ihr das aktuelle Weltgeschehen oder regionale News lest, sondern ob ihr überhaupt noch Nachrichten verfolgt - über welchen Kanal auch immer. Informiert ihr euch auf News-Seiten im Netz? Schaut ihr die Nachrichten im Fernsehen oder hört sie im Radio? Und wenn ja, was versprecht ihr euch davon und wie fühlt ihr euch, wenn ihr euch auf den neuesten Stand gebracht habt?
Ich frage das nur, weil ich für meinen Teil (fast gänzlich) damit aufgehört habe, Nachrichten zu konsumieren. Ich hatte mir zuletzt ein paar Plattformen als Startseite im Browser eingerichtet (Tagesspiegel, Übermedien, Deutschlandfunk), diese aber mittlerweile wieder gelöscht. Warum? Weil ich dieses "Dauerfeuer" an (meist schlechten) Nachrichten einfach nicht mehr vertragen kann. Für mich ist diese permanente Verfügbarkeit von News tatsächlich zur totalen Reizüberflutung geworden. Von allen Seiten wird man mit Nachrichten nur so zugekleistert, man kann diesem medialen Wahnsinn kaum noch entkommen. Mir ist das alles schlicht und ergreifend zu anstrengend geworden. Und seien wir ehrlich: Die wichtigsten Neuigkeiten bekommt man ohnehin irgendwie mit. Spätestens dann, wenn man sie erzählt bekommt. Außerdem denke ich mir immer öfter, dass ich die Zeit, in der ich mir Informationen antue, die ich im Grunde gar nicht wissen will, wesentlich schönere Dinge machen kann. Soll heißen: Mit dem Nachrichtenkonsum geht auch eine Menge Lebenszeit verloren.
Aus diesen Gründen verfolge ich die Nachrichten nur noch unbewusst. Gleiches gilt für meinen "Rückzug" aus den sozialen Medien: sinnlose Informationen, sinnlose Diskussionen - und wertvolle Lebenszeit, die dafür draufgeht. Muss ich mir doch nicht geben, oder?
Wie seht ihr das? Hat sich bei euch auch schon eine Nachrichten-Müdigkeit eingestellt? Oder ist es euch wichtig, das aktuelle Weltgeschehen regelmäßig zu verfolgen? Und welche Kanäle nutzt ihr dafür?
Damit meine ich nicht nur, ob ihr das aktuelle Weltgeschehen oder regionale News lest, sondern ob ihr überhaupt noch Nachrichten verfolgt - über welchen Kanal auch immer. Informiert ihr euch auf News-Seiten im Netz? Schaut ihr die Nachrichten im Fernsehen oder hört sie im Radio? Und wenn ja, was versprecht ihr euch davon und wie fühlt ihr euch, wenn ihr euch auf den neuesten Stand gebracht habt?
Ich frage das nur, weil ich für meinen Teil (fast gänzlich) damit aufgehört habe, Nachrichten zu konsumieren. Ich hatte mir zuletzt ein paar Plattformen als Startseite im Browser eingerichtet (Tagesspiegel, Übermedien, Deutschlandfunk), diese aber mittlerweile wieder gelöscht. Warum? Weil ich dieses "Dauerfeuer" an (meist schlechten) Nachrichten einfach nicht mehr vertragen kann. Für mich ist diese permanente Verfügbarkeit von News tatsächlich zur totalen Reizüberflutung geworden. Von allen Seiten wird man mit Nachrichten nur so zugekleistert, man kann diesem medialen Wahnsinn kaum noch entkommen. Mir ist das alles schlicht und ergreifend zu anstrengend geworden. Und seien wir ehrlich: Die wichtigsten Neuigkeiten bekommt man ohnehin irgendwie mit. Spätestens dann, wenn man sie erzählt bekommt. Außerdem denke ich mir immer öfter, dass ich die Zeit, in der ich mir Informationen antue, die ich im Grunde gar nicht wissen will, wesentlich schönere Dinge machen kann. Soll heißen: Mit dem Nachrichtenkonsum geht auch eine Menge Lebenszeit verloren.
Aus diesen Gründen verfolge ich die Nachrichten nur noch unbewusst. Gleiches gilt für meinen "Rückzug" aus den sozialen Medien: sinnlose Informationen, sinnlose Diskussionen - und wertvolle Lebenszeit, die dafür draufgeht. Muss ich mir doch nicht geben, oder?
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"A man is rich in proportion to the number of things which he can afford to let alone.”
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Re: Lest ihr noch Nachrichten?
Mittlerweile ist ein Jahr seit meinem "Medien-Rückzug" vergangen und ich habe mein Verhalten eigentlich nicht verändert. Als der Ukraine-Krieg anfing, habe ich zwar noch mal ein bisschen auf die News-Seiten geschaut, aber auch da wurde mir schnell bewusst, dass es mir einfach nicht guttut. Nach wie vor befeuern all diese Publikationen meinen Weltschmerz - was für mich Grund genug ist, diese weiterhin zu meiden. Ich meine, was habe ich davon, wenn ich zwar auf dem neuesten Stand bin, dafür aber schlecht schlafe und mir permanent Sorgen mache? Ich habe schon genügend Baustellen, da will ich mich nicht auch noch um das aktuelle Weltgeschehen "kümmern" müssen.
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Re: Lest ihr noch Nachrichten?
Wieder über ein Jahr her, also ziehe ich den Thread mal wieder hoch...
An mienem Verhalten hat sich tatsächlich nichts geändert: Ich konsumiere nach wie vor keine Nachrichten mehr – und es hat sich herausgestellt, dass sich das für mich absolut bewährt hat. Zwar "sickern" immer mal wieder News zu mir durch, aber das lässt sich einfach nicht vermeiden. Im Großen und Ganzen tut es mir aber immer noch gut, mir nicht das ganze Leid der Welt reinzuziehen. Dafür ist meine Zeit auch zu schade.
An mienem Verhalten hat sich tatsächlich nichts geändert: Ich konsumiere nach wie vor keine Nachrichten mehr – und es hat sich herausgestellt, dass sich das für mich absolut bewährt hat. Zwar "sickern" immer mal wieder News zu mir durch, aber das lässt sich einfach nicht vermeiden. Im Großen und Ganzen tut es mir aber immer noch gut, mir nicht das ganze Leid der Welt reinzuziehen. Dafür ist meine Zeit auch zu schade.
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Re: Lest ihr noch Nachrichten?
Respekt! Das ist toll!Sponskonaut hat geschrieben: ↑Mi 26. Jul 2023, 21:17 Wieder über ein Jahr her, also ziehe ich den Thread mal wieder hoch...![]()
An mienem Verhalten hat sich tatsächlich nichts geändert: Ich konsumiere nach wie vor keine Nachrichten mehr – und es hat sich herausgestellt, dass sich das für mich absolut bewährt hat. Zwar "sickern" immer mal wieder News zu mir durch, aber das lässt sich einfach nicht vermeiden. Im Großen und Ganzen tut es mir aber immer noch gut, mir nicht das ganze Leid der Welt reinzuziehen. Dafür ist meine Zeit auch zu schade.
Ich bin ja immer noch hauptsächlich der good old Zeitungsleser, ob als print oder als E-Paper.
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Re: Lest ihr noch Nachrichten?
Auch sehr löblich!MartyMcFly hat geschrieben: ↑Fr 11. Aug 2023, 22:58 Ich bin ja immer noch hauptsächlich der good old Zeitungsleser, ob als print oder als E-Paper.![]()
Tatsächlich hatte ich die Tage doch mal wieder in die Nachrichten geguckt, allerdings nur in der GMX-Mail-App, weil ich die installiert habe. Eigentlich habe ich einen Mail-Client, aber in der GMX-App komme ich irgendwie schneller an meine Unterordner. Jedenfalls habe ich da dann auch mal in die News reingeguckt, was mir dann auch ad hoc nicht gutgetan hat – zumindest hatte ich das Gefühl. Deswegen werde ich die App wohl wieder runterschmeißen.
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Re: Lest ihr noch Nachrichten?
Einen interessanten Artikel zum Nachrichtenkonsum gibt es beim WDR, wobei ich ein paar Punkte daraus mal aufgreifen will.
Eine Userin sagt beispielsweise, dass der Konsum von Nachrichten Bürgerpflicht wäre. Was für ein Unsinn! Zumal sie dann auch noch selbst sagt, dass sie auf Instagram allen News-Seiten entfolgt sei, die nicht nur Positives berichten. Ich meine, was bleibt denn da noch übrig? Doch eigentlich nur Special-Interest-Seiten. Wirklich auf dem Laufenden über das aktuelle Weltgeschehen bleibt man dann doch auch nicht. Außerdem ist es meine eigene Entscheidung, was ich konsumiere und was nicht! Und was bringt es mir, wenn ich über jeden Mist Bescheid weiß? Damit ich überall mitreden kann? Damit ich mir schnell eine Meinung bilden kann? Genau das ist ja ein Problem in der heutigen Zeit: Durch diese ständige Verfügbarkeit an Informationen wird man permanent dazu genötigt, sich schnellstmöglich zu allen möglichen Themen zu positionieren. Wat hat zum letzten Mal jemand zu euch gesagt, dass er sich für eine Meinung erst noch Zeit nehmen muss?
Eine Userin sagt beispielsweise, dass der Konsum von Nachrichten Bürgerpflicht wäre. Was für ein Unsinn! Zumal sie dann auch noch selbst sagt, dass sie auf Instagram allen News-Seiten entfolgt sei, die nicht nur Positives berichten. Ich meine, was bleibt denn da noch übrig? Doch eigentlich nur Special-Interest-Seiten. Wirklich auf dem Laufenden über das aktuelle Weltgeschehen bleibt man dann doch auch nicht. Außerdem ist es meine eigene Entscheidung, was ich konsumiere und was nicht! Und was bringt es mir, wenn ich über jeden Mist Bescheid weiß? Damit ich überall mitreden kann? Damit ich mir schnell eine Meinung bilden kann? Genau das ist ja ein Problem in der heutigen Zeit: Durch diese ständige Verfügbarkeit an Informationen wird man permanent dazu genötigt, sich schnellstmöglich zu allen möglichen Themen zu positionieren. Wat hat zum letzten Mal jemand zu euch gesagt, dass er sich für eine Meinung erst noch Zeit nehmen muss?
Tatsächlich waren Push-Nachrichten schon immer das Erste, was ich auf neuen Smartphones deaktiviert habe. Dieses ständige Vollballern mit News mochte ich noch nie. Ich entscheide immer noch selbst, wann ich was konsumiere. Wenn überhaupt.Wichtig sei es, kritisch in sich hineinzuschauen: Wer das Gefühl hat, schlechte Nachrichten gut "abschütteln" zu können oder die Möglichkeit, mit anderen darüber zu reden, könne ruhig auch Push-Nachrichten weiter aktiv lassen und bewusst die Nachrichten hören.
Ich glaube – wie die Umfragen es auch zeigen –, dass Resilienz das Problem vieler Menschen ist, und ich nehme mich da selbst auch nicht aus. Besonders im heutigen Berufsleben ist es schwierig, die Waage zwischen Anforderungen und positiven Erlebnissen zu halten. Da gehe ich nicht auch noch hin und lasse mich von Nachrichten runterziehen. Weil es nun mal nichts ist, was ich in meinem Leben zwingend brauche.Stichwort Resilienz stärken: "Wir sollten darauf achten, dass unser Alltag ausgeglichen ist zwischen Anforderungen - wie dem Konsum von Nachrichten - und positiven Aktivitäten. Wenn diese Waage relativ stabil ist, stärken wir unsere Resilienz."
Ich gehe fest davon aus, dass die Medien ihre Vorgehensweise niemals ändern werden. Denn auch wenn viele Menschen die Nachrichten mittlerweile meiden, bringen entsprechende Headlines immer noch genügend Klicks...Für die Macher von Medien eine Herausforderung, denn: Auf die tägliche Berichterstattung über wichtige Ereignisse zu verzichten, widerspräche dem ureigensten Auftrag von Nachrichtenredaktionen.
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Re: Lest ihr noch Nachrichten?
Tja, das Thema beschäftigt mich mal wieder etwas mehr, hatte es im Minimalismus-Thread ja schon angedeutet.
Wie schon gesagt, konsumiere ich derzeit mal wieder überhaupt keine Nachrichtigen. Und ich habe auch nicht vor, das in absehbarer Zeit zu ändern. Ein Blick in die ZDF-Mediathek hat die Tage gezeigt, dass ich das momentan einfach nicht will. Eigentlich gucke ich "Lanz" regelmäßig, mittlerweile sind es aber schon acht Episoden, die ich nicht geschaut habe. Ich kann mir den ganzen Mist, der aktuell auf der Welt geschieht, schlicht und ergreifend nicht mehr geben.
Gibt auch eine Studie vom Reuters Institute, die festgestellt hat, dass die Zahl derer, die sich stark für Nachrichten interessieren, in den letzten zehn Jahren sogar halbiert hat. Sehr bezeichnend, wenn man auch mal bedenkt, wie Nachrichten heute aufbereitet werden. Man könnte wirklich meinen, dass die Welt nur schlecht wäre und es gar nichts Erfreuliches zu berichten gäbe.
Der nächste Punkt ist der: Wenn ich mich auf dem Laufenden halte, was bringt es mir? Ich kann all diese Dinge ohnehin nicht ändern. Ich kann nur versuchen, in meinem eigenen MIkrokosmos Gutes zu tun – und das kann ich auch (oder sogar noch besser, weil ich damit meine Ressourcen schone), wenn ich keine Nachrichten konsumiere.
Das Traurige ist, dass ich in meinem Job zu diesem permanenten "Hintergrundrauschen" beitrage. Ich sogar ja selbst dafür, den stetigen "Nachrichtenfluss" am Laufen zu halten und in den Äther zu schicken, indem ich News verfasse, lektoriere und veröffentliche. Manchmal fühle ich mich da wieder der Drogendealer, der seinen eigenen Stoff nicht nimmt. Aber am Ende des Tages bezahlt es halt meine Rechnungen.
Wie sieht es bei euch aus? Hat sich euer mediales Konsumverhalten in den letzten Jahren verändert?
Wie schon gesagt, konsumiere ich derzeit mal wieder überhaupt keine Nachrichtigen. Und ich habe auch nicht vor, das in absehbarer Zeit zu ändern. Ein Blick in die ZDF-Mediathek hat die Tage gezeigt, dass ich das momentan einfach nicht will. Eigentlich gucke ich "Lanz" regelmäßig, mittlerweile sind es aber schon acht Episoden, die ich nicht geschaut habe. Ich kann mir den ganzen Mist, der aktuell auf der Welt geschieht, schlicht und ergreifend nicht mehr geben.
Gibt auch eine Studie vom Reuters Institute, die festgestellt hat, dass die Zahl derer, die sich stark für Nachrichten interessieren, in den letzten zehn Jahren sogar halbiert hat. Sehr bezeichnend, wenn man auch mal bedenkt, wie Nachrichten heute aufbereitet werden. Man könnte wirklich meinen, dass die Welt nur schlecht wäre und es gar nichts Erfreuliches zu berichten gäbe.
Der nächste Punkt ist der: Wenn ich mich auf dem Laufenden halte, was bringt es mir? Ich kann all diese Dinge ohnehin nicht ändern. Ich kann nur versuchen, in meinem eigenen MIkrokosmos Gutes zu tun – und das kann ich auch (oder sogar noch besser, weil ich damit meine Ressourcen schone), wenn ich keine Nachrichten konsumiere.
Das Traurige ist, dass ich in meinem Job zu diesem permanenten "Hintergrundrauschen" beitrage. Ich sogar ja selbst dafür, den stetigen "Nachrichtenfluss" am Laufen zu halten und in den Äther zu schicken, indem ich News verfasse, lektoriere und veröffentliche. Manchmal fühle ich mich da wieder der Drogendealer, der seinen eigenen Stoff nicht nimmt. Aber am Ende des Tages bezahlt es halt meine Rechnungen.
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Re: Lest ihr noch Nachrichten?
Zum Thema passend und weil ich gerade darüber gestolpert bin, wollte ich euch diesen Kommentar von der Philosophin Katja Gentinetta nicht vorenthalten. Warum? Weil ich selten so einen Blödsinn gelesen habe... Was Gentinetta zusammengefasst aussagt: Wer keine Nachrichten konsumiert, drückt sich vor Verantwortung und überlässt im Grunde alles den anderen. Deswegen will ich auf ein paar prägnante Aussagen mal eingehen.
Sorry, aber was für eine dreiste Aussage! Ich glaube, die wenigsten denken, dass es nur noch Schlechtes auf der Welt gibt. Fakt ist aber – und das sagt sie ja selbst –, dass vor allem negative Schlagzeilen produziert werden, weil sie eben mehr Klicks generieren. Liebe Frau Gentinetta, sich dieser Flut aus Negativem zu entziehen, ist weder welt- noch lebensfremd, sondern einfach nur eins: Selbstschutz. Wieso soll ich mir diesen Mist antun, wenn es bedeutet, dass er mir im wahrsten Sinne des Wortes den Schlaf raubt und ich bis morgens um 7 Uhr wachliege? Kann ich wirklich an der Gesellschaft teilnehmen, wenn ich depressiv und im Halbschlaf durchs Leben gehe?Wer Dauernachrichten also für das Abbild der Welt hält, unterliegt einer verzerrten Wahrnehmung. Daraus nun den Schluss zu ziehen, auf Nachrichten besser ganz zu verzichten, ist hingegen welt- und, mehr noch, lebensfremd.
Aha, und? Muss mir auch keine Philosophin erklären, wie ein gesellschaftliches System funktioniert und dass jeder in irgendeiner Weise von anderen abhängig ist. Wir sind alle nur kleine Rädchen im Getriebe. Das weiß ich aber auch, ohne Nachrichten zu lesen.Zum einen sind wir Teil dieser Welt, ob wir wollen oder nicht. Selbst wenn wir uns in unseren noch so kleinen, unbedeutenden Alltag zurückziehen, sind wir angewiesen darauf, dass wir diesen einigermaßen reibungslos bestehen können. Dazu gehören funktionierende Lieferketten für Nahrung, Kleider und Wohnen ebenso wie Straßen und öffentlicher Verkehr, von den Möglichkeiten der Telekommunikation ganz zu schweigen. Dass dies alles funktioniert, hat nicht nur mit ehrgeizigen Unternehmern und fleißigen Angestellten zu tun, die noch nicht zum eigentlichen Sinn des Lebens vorgedrungen sind, sondern auch mit einem System, das derartige Produkte und Dienstleistungen überhaupt hervorbringen kann.
Die Grundlage dafür, sich in der Gesellschaft einzubringen, sind bestimmt nicht Nachrichten. Was für ein BS... Ich kann für verschiedene Hilfsprojekte spenden, ohne dass ich mich von Nachrichten belästigen lasse. Und die größte Wirkung hat man in seinem eigenen Mikrokosmos, indem man lokale Händler oder Projekte unterstützt, die einem etwas bedeuten. Tierschutz, Vereine, es gibt unzählige Möglichkeiten. Wenn ich mich aber damit belaste, wie viel Leid es auf der Welt gibt, fühle ich mich schnell ohnmächtig – und dann dauert es nicht mehr lange, bis man resigniert, depressiv wird und handlungsunfähig ist. Tolle Wurst!Ja, wir leben in einer Demokratie. Wir haben nicht nur die Möglichkeit, unser Zusammenleben so zu gestalten, wie wir es für richtig halten. Vielmehr sind wir dazu aufgefordert. Und die Grundlage dafür, dass wir uns auf eine verantwortungsvolle Weise einbringen können, sind: Nachrichten. Es sind Informationen darüber, was in der Welt geschieht, was in welchen Ländern funktioniert und was nicht, was welche Menschen bewegt und warum.
Und der Dünnpfiff, den die Frau Philosophin von sich gibt, wird immer kruder und frecher... Wie oben schon erwähnt: Man "entbindet sich nicht jeglichen Engagements", nur weil man keine Nachrichten konsumiert. Gentinetta unterstellt hier einfach mal felsenfest, dass man keine Verantwortung übernehmen will. Dann sperren sie noch mal die Ohren auf: Selbstschutz. Und noch mal: Ich engagiere mich dennoch, indem ich für Projekte spende, auf Nachhaltigkeit achte und mein Leben so gestalte, dass ich mit meiner Lebensweise so wenig "Schaden" wie möglich anrichte.Nicht wissen zu wollen, was in der Welt geschieht, ist damit vor allem eine Ausrede, um sich jeglichen Engagements zu entbinden. Wer das Weltgeschehen ignoriert, überlässt die Zuständigkeit für das eigene Leben – mit allem Wohlstand, den Bequemlichkeiten und auch der Sicherheit, die man darin genießt – allen anderen. Die Konsequenz: Wer seine eigene Verantwortung preisgibt, macht sich abhängig.
Doch, ich entscheide, keine Nachrichten mehr zu kosumieren. Und auch wenn das anscheinend nicht in ihr Weltbild passt: Ich gehe sogar wählen – und auch dafür muss ich keine Nachrichten lesen. Unfassbar, oder?Wer seine eigene Möglichkeit zu entscheiden nicht wahrnimmt, überlässt die Entscheidung anderen.
Und sie hört einfach nicht auf, einem zu unterstellen, dass man sich vor Verantwortung drückt. Davon mal abgesehen: Ob und wann ich mich "vom Weltgeschehen abwende", ein Buch lese, Musik höre oder stundenlang Netflix gucke, ist einzig und allein meine Entscheidung. Wieder sehr dreist, dass Gentinetta hier festlegt, welche Maßnahme welchen Zweck haben sollte.Es mag also sinnvoll sein, sich für eine gewisse Zeit – in den Ferien, am Wochenende – vom Weltgeschehen ab- und einem Buch oder Musikstück zuzuwenden. Allerdings sollte diese Form der Erholung vor allem eines bezwecken: eine gestärkte Rückkehr in die Welt und das eigene Leben, um dort seine Verantwortung wieder wahrnehmen zu können.
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