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2014 // Die Tage unter Null

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2014 // Die Tage unter Null

#1

Beitragvon Sponskonaut » Mo 16. Nov 2015, 11:55

Ein sehr interessantes und "intensives" Drama habe ich mir gestern angeschaut: "Die Tage unter Null" (Originaltitel: Les heures souterraines) ist eine franz√∂sische TV-Produktion aus dem Jahr 2014, die k√ľrzlich bei ARTE zu sehen war. Der Film basiert auf dem Roman von Delphine de Vigan und wurde auch schon als Theaterst√ľck aufgef√ľhrt.

https://www.youtube.com/watch?v=j_YBh_TBdVE
  Handlung
Mathilde (Marie-Sophie Ferdane) und Thibault (Mehdi Nebbou) sind zwei verlorene Seelen, die beide ihr P√§ckchen zu tragen haben und sich immer wieder (fast) in Paris √ľber den Weg laufen. Der Film schildert ihr Berufs- und Privatleben: Mathilde ist alleinerziehende Witwe, die mit Mobbing bzw. Bossing seitens ihres Vorgesetzten zu k√§mpfen hat. Thibault ist Arzt f√ľr einen medizinischen Dienst, der in Paris Hausbesuche macht und allm√§hlich an seine emotionalen und k√∂rperlichen Grenzen kommt.


Ich bin wirklich froh, dass ich den Streifen mitgeschnitten habe, weil man es hier mal wieder mit so einem franz√∂sischen Drama zu tun hat, das in ruhigen, aber daf√ľr umso eindringlicheren Bildern das Schicksal seiner Protagonisten zeigt. Pr√§gnant ist, dass Regisseur Philippe Harel seine Figuren bewusst im tristen Alltag zeigt und sie nicht an den typischen Sehensw√ľrdigkeiten vorbeiflanieren l√§sst, sondern den Zuschauer mit der √ľberf√ľllten Metro, einem trostlosen B√ľro oder dem gedr√§ngten Stra√üenverkehr in der Pariser Innenstadt konfrontiert - was gekonnt die Gem√ľtslage der beiden Charaktere widerspiegelt.

Man muss aber dazusagen, dass der kurze ARTE-Trailer ein bisschen irref√ľhrend ist, weil er suggeriert, dass man es eher mit einer romantischen Lovestory zu tun hat. Das ist aber nur bedingt der Fall. Zwar laufen sich Mathilde und Thibault mehrere Male fast √ľber den Weg, dominiert wird die Geschichte aber durch das Berufsleben der beiden, was, wie ich finde, sehr realit√§tsnah gezeichnet wurde. Mathildes Querelen mit ihrem Chef und ihrer systematischen Degradierung wirken sehr authentisch, was wohl jeder best√§tigen kann, der selbiges mal miterlebt hat. Man leidet als Zuschauer regelrecht mit, wenn Mathilde ihren Kampf gegen Windm√ľhlen bestreitet, der letztlich auf das gekr√§nkte Ego ihres Chefs herunterzubrechen ist. Und auch Thibaults stetige Ann√§herung an ein Burn-Out, das sich (wie es nun mal ein Symptom dieser Erkrankung ist) schon auf sein Privatleben auswirkt, hat der Regisseur eindringlich und mitrei√üend inszeniert. Am Ende winkt dann aber doch die Hoffnung, das alles, was passiert ist, doch f√ľr etwas gut war - und sich die Qu√§lerei damit gelohnt hat...

Der Film ist wirklich gl√§nzend besetzt! Ob das nun Marie-Sophie Ferdane ist, die sich verzweifelt gegen diese unfaire Behandlung stemmt, Mehdi Nebbou, der sich selbst an seine eigenen Grenzen treibt, oder (sehr brillant!) Eric Savin, dem man den mobbenden Vorgesetzten von vorne bis hinten abnimmt - die Darsteller machen allesamt einen grandiosen Job. Ach ja, wer sich wundert, wieso man Thibault einen franz√∂sischen Akzent hat angedeihen lassen, dem sei gesagt, dass sich Mehdi Nebbou, aus welchen Gr√ľnden auch immer, selbst auf deutsch synchronisiert hat. Das hat aber nat√ľrlich den Vorteil, dass die Stimme 100%ig passt. [zwinker]

---

Was ich an den französischen Filmemachern so schätze, zeigt sich auch in "Die Tage unter Null": Ungeschönt und in aller Eindringlichkeit, schildert der Regisseur hier die Widrigkeiten, die das Leben beruflich und privat so mit sich bringt. Dabei belässt er es aber nicht nur bei depressiven und aussichtslosen Situationen, sondern konfrontiert seine Protagonisten (und damit freilich auch den Zuschauer) mit kleinen hoffnungsvollen Momenten, die immer wieder aufblitzen und die es in diesen Ausnahmesituationen schlicht zu erkennen gilt.

Inszenatorisch und erz√§hlerisch ist diese kleine TV-Perle eine absolut runde Sache. Vor allem das Stilmittel, die Protagonisten zu Beginn erstmal aus dem Off von ihren Situationen berichten zu lassen, fand ich angebracht, um Zugang zu den Figuren zu finden. F√ľr meinen Geschmack h√§tte es dieses franz√∂sische Drama auch locker auf die gro√üe Leinwand schaffen k√∂nnen.

Meine Wertung: [popcorn] [popcorn] [popcorn] [popcorn] [popcorn] von 5 Popcorn-Portionen


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Re: 2014 // Die Tage unter Null

#2

Beitragvon Viktualia » Mo 16. Nov 2015, 17:53

Der Trailer spricht mich wirklich nicht so an und man w√ľsste gar nicht in welche Richtung es gehen soll.
Doch deine Schilderungen dar√ľber l√§sstn es wieder interessant erscheinen. Zumal die Problembehandlung mich anspricht und mich interessieren w√ľrde wie realit√§tsnah es ist...



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Re: 2014 // Die Tage unter Null

#3

Beitragvon Sponskonaut » Mo 16. Nov 2015, 19:30


Viktualia hat geschrieben:Der Trailer spricht mich wirklich nicht so an und man w√ľsste gar nicht in welche Richtung es gehen soll.

Das ist auch irgendwie nur so ein Zusammenschnitt von ein paar Szenen. Einen richtigen Trailer habe ich leider nicht gefunden.

Zumal die Problembehandlung mich anspricht und mich interessieren w√ľrde wie realit√§tsnah es ist...

Wie gesagt, ich fand das Ganze schon sehr realistisch dargestellt. Ich liebe auch einfach die Erz√§hlweise der Franzosen! Da wird nichts gesch√∂nt und oftmals l√§sst man die Bilder f√ľr sich sprechen. In "Die Tage unter Null" f√§llt da sogar noch eher "massenkompatibel" aus, wahrscheinlich weil es eine TV-Produktion ist, aber wenn man sich mal andere franz√∂sische Dramen anschaut, macht sich das noch bemerkbarer. "Mademoiselle Chambon" ist da so ein Beispiel. Da wird in vielen Szenen sogar auf Dialoge verzichtet, und man l√§sst die Darsteller schlicht √ľber Mimik und Gestik kommunizieren und die Geschichte erz√§hlen - wirklich beeindruckend. √úberhaupt finde ich, dass die franz√∂sischen Akteure so genau "auf den Punkt" spielen k√∂nnen.

Wenn ich mir dagegen so manche deutsche Filmproduktion anschaue - und das deutsche Kino hat sich in den letzten Jahrzehnten wirklich gemausert -, dann kommt es mir oft so vor, als w√ľrde da vieles komplett ausformuliert werden, damit es auch jeder versteht... Da habe ich oft den Eindruck, als w√ľrden die franz√∂sischen Filmemacher ihrem Publikum schlicht mehr zutrauen. [zwinker]

Wie auch immer, "Die Tage unter Null" wird auf ARTE am 24. November und am 3. Dezember um 14:05 Uhr wiederholt. Ich weiß, ist eine blöde Uhrzeit, aber vielleicht hast du doch ja die Möglichkeit zu gucken oder es irgendwie aufzunehmen.


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