2010 // Womb

Benutzeravatar

Themenstarter
Sponskonaut
SERIENGEEK
SERIENGEEK
Beiträge: 2958
Registriert: Di 9. Dez 2008, 02:08
Geschlecht: ‚ôā (Mann)
Wohnort: Auf der Couch vor der Flimmerkiste...
Land: DE

2010 // Womb

Beitragvon Sponskonaut » Mo 19. Jan 2015, 02:07

K√ľrzlich habe ich den Film "Womb" entdeckt, den ich mir vorgestern nun endlich mal angeschaut habe. Es handelt sich dabei um ein "Sci-Fi-Drama", wobei der Fokus hier eindeutig auf dem tragischen Teil der Geschichte liegt. Gewundert habe ich mich aber schon, dass ich den Streifen, der von 2010 stammt, erst jetzt entdeckt habe - zumal mich dieser Genre-Mix ohnehin stark anspricht.

https://www.youtube.com/watch?v=jSkCihQ7Pm0
  Handlung
Die 9-j√§hrige Rebecca lernt (auf einer Insel, die nicht namentlich genannt wird) den 10-j√§hrigen Tommy kennen. Da Rebeccas Mutter beruflich wegziehen muss, trennen sich die Wege der beiden Kinder - ohne dass sie sich noch ordentlich voneinander verabschieden k√∂nnen. Als erwachsene Frau kehrt Rebecca eines Tages zur√ľck, und die beiden kn√ľpfen da an, wo sie als Kinder aufgeh√∂rt haben. Als Tommy bei einem Autounfall t√∂dlich verungl√ľckt, entschlie√üt sich die Hinterbliebene, den Klon ihres Freundes selbst auszutragen...
---

Vorab: Keine Angst, dass ich die Handlung oben schon erw√§hnt habe! Ich habe da keineswegs "gespoilert", sondern nur mal die Rahmenhandlung erz√§hlt, sodass jeder selbst entscheiden kann, ob die Story was f√ľr ihn/sie ist. Das eigentlich Spannende an der Geschichte ist das, was sich nach Rebeccas folgenschwerer Entscheidung entwickelt... Ich kann jedenfalls guten Gewissens sagen, dass mich der Film regelrecht umgehauen hat! [yeshappy]

Zun√§chst hatte ich das Gef√ľhl, dass die Story sehr schnell vorangebracht werden soll. Besonders das Kennenlernen der beiden Heranwachsenden f√§llt auf den ersten Blick relativ "komprimiert" aus, was aber der Tatsache keinen Abbruch tut, dass man irgendwie mit den Protagonisten mitf√ľhlen kann. Wenn man aber ber√ľcksichtigt, welch eine "Wucht" die Erz√§hlung im weiteren Verlauf entwickelt, dann l√§sst sich √ľber diese klitzekleine "Schw√§che" locker hinwegsehen.

Was den Film in meinen Augen so wertvoll macht, sind die vielen (vor allem moralischen) Fragen, die aufgeworfen werden: Wie weit darf Mutterliebe gehen? Ist Mutterliebe in jedem Fall stärker als jede körperliche und sexuelle Anziehungskraft bzw. die Liebe zu einem anderen Menschen? Wie einzigartig ist ein Lebewesen, respektive der Mensch tatsächlich?

All diese Fragen b√ľndelt diese Geschichte in einer einzigartigen Weise. Da gibt es viele Szenen, die diese diskussionsw√ľrdigen Fragen in aller Intensit√§t aufwerfen. Beispielsweise dann, wenn die "Mutter" ihren "Sohn" liebkost, wenn sich beide k√∂rperlich n√§herkommen. Aber auch die gesellschaftliche Akzeptanz von Klonen wird thematisiert, wobei man dazusagen muss, dass dieses Thema sp√§ter dem Mutter-Sohn-Aspekt ein bisschen weichen muss. Sicherlich h√§tte man das Soziale noch detailreicher ausf√ľhren k√∂nnen. Da das aber augenscheinlich nicht die Intention der Filmemacher war, und die eigentliche Geschichte derart eindringlich formuliert wird, wurde dieser Aspekt letztlich doch mehr als ausreichend behandelt.

Sehr gekonnt umgesetzt ist definitiv das Visuelle. Die ganze K√ľsten/Insel-Landschaft erzeugt eine merkw√ľrdig mystische und bedr√ľckende Atmosph√§re, die den goldrichtigen Rahmen um diese faszinierende Story spannt. Ich finde jedenfalls, dass es sehr beeindruckende und vor allem passende Bilder sind, die der Regisseur da gew√§hlt hat. Score ist im gesamten Film relativ wenig vorhanden, was, wie ich finde, aber auch die richtige Entscheidung war. Die Bilder und vor allem die Schauspieler tragen die Geschichte ganz allein, sodass wahrscheinlich zuviel Filmmusik das Ganze eher zerrissen als ihm gutgetan h√§tte.

Zum Schluss noch ein paar Worte zu den Schauspielern: Insbesondere Eva Green, die den meisten wahrscheinlich als Bond-Girl an der Seite von Daniel Craig in "Casino Royale" ein Begriff sein d√ľrfte, macht hier einen grandiosen Job! Ihr Spiel ist derart intensiv und √ľberzeugend, dass einem wahrlich die Spucke wegbleibt. Jedenfalls ging es mir und meiner Frau so, als wir den Streifen geguckt haben. Aber auch der restliche Cast liefert eine absolut solide Leistung ab. Ich w√ľrde die Besetzung guten Gewissens als goldrichtig bezeichnen. Man hat einfach das Gef√ľhl, dass "was r√ľberkommt". Es ist schwer in Worte zu fassen...

---

Ich will jetzt eigentlich nicht noch mehr Worte verlieren, weil "Womb" ein Werk ist, das man einfach gesehen haben muss, das "wirken" muss. Eindringlich inszeniert, werden hier grunds√§tzlich moralische Fragen aufgeworfen, √ľber die man generell stundenlang diskutieren k√∂nnte. Die Story ist definitiv interessant, die Inszenierung von vorne bis hinten eine runde und stimmige Sache, und schauspielerisch wird hier ebenfalls eine Top-Leistung abgeliefert. [daumen]

Wer auf Sci-Fi-Dramen steht, sich auch f√ľr psychologische Geschichten erw√§rmen und dazu noch was mit emotionalen Erz√§hlungen anfangen kann, der sollte sich diesen Film auf keinen Fall entgehen lassen!

Meine Wertung: [popcorn] [popcorn] [popcorn] [popcorn] [popcorn] von 5 Popcorn-Portionen

---

P.S.: Auch hier kann ich vor allem Marty mal wieder eine persönliche Empfehlung aussprechen! [zwinker] Falls du den Streifen noch nicht gesehen hast, hole das unbedingt nach!


I have no country to fight for; my country is the earth, and I am a citizen of the world.
- Eugene V. Debs

Zur√ľck zu ‚ÄěSci-Fi & Mystery‚Äú

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast