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Erinnerungen...

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MartyMcFly
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Erinnerungen...

#1

Beitragvon MartyMcFly » Mi 19. Nov 2014, 20:24

Als Pendant/Gegenst├╝ck zum "Zukunfts-Thread" m├Âchte ich hier generell das Thema Erinnerungen und die Vergangenheit aufgreifen.

Grund f├╝r dieses Thema daf├╝r ist, dass ich heute wieder jemanden zuh├Âren durfte, der viel von fr├╝her, seiner Vergangenheit und das was er erlebt hat, erz├Ąhlte. Er ist 73 Jahre alt und kann krankheitsbedingt nicht mehr aus der Wohnung und hat auch kaum jemanden der ihn besucht. Er hat soviel erlebt, dass er "B├╝cher schreiben k├Ânnte", wie er sagte. Es war fr├╝her eine harte Zeit, aber auch sch├Âne Zeit, wie er sagte.
Die Floskel "ich k├Ânnte ein Buch schreiben" h├Âre ich oft, ihr vielleicht auch, ich sage dann immer, ja warum nicht, schreibt alles nieder, aber nicht jeder oder kaum jemand macht das wirklich.
Welch abenteuerliche unglaubliche Geschichten ich von unseren lieben ├Ąlteren Mitmenschen oft h├Âre, ob 73 Jahre oder 88. Es ist sehr interessant den "Alten" zuzuh├Âren, spannender und lehrreicher kann es garnicht sein.
Wenn ich ├Ąltere Menschen zuh├Âre, wie sie ├╝ber die Vergangenheit (auch wenn es fr├╝her eine schwere Zeit war) sprechen, meist mit viel Leidenschaft, aber auch mit Wehmut, kommen mir auch immer viele Gedanken...

Die pers├Ânlichen Erinnerungen sind der Schatz dieser Menschen, vorallem wenn sie selbst in der Gegenwart nicht mehr viel tun k├Ânnen, oder nur noch mit dem Haushalt besch├Ąftigt sind.
Dieser Schatz voller Erinnerungen ist ein echter Schatz, denn es h├Ąlt die Vergangenheit und diejenige Person die davon spricht lebendig, aber nur wenn jemand da ist, der zuh├Ârt.

Wenn ich das alles h├Âre, wie es fr├╝her war, vorallem nach dem Krieg, denke ich mir schon, in was f├╝r einen Luxus wir heute eigentlich leben?
Wenn von den guten Zeiten erz├Ąhlt wird, wie zB von der Weihnachtszeit, den Duft von Keksen, wo Weihnachten, noch ein ruhiges wirklich besinnliches Weihnachten war, ohne diesen Konsumwahnsinn, den wir heute haben, dann stelle mir das wirklich als ein Fest der Freude vor. In dem ein pers├Ânlich gebasteltes Geschenk den Leuten viel mehr Freude machte, als jedes 08/15 Technikpresent von heute.

Ja, fr├╝her war vieles besser, aber niemand m├Âchte den heutigen Wohlstand und Frieden wo wir leben, missen, klar. Der Wohlstand und das (scheinbar) "jeder alles hat" treibt die Menschen leider auch ein St├╝ck weit auseinander und jeder macht sich seine "eigene Welt". Gerade die ├Ąrmlicheren Verh├Ąltnisse von fr├╝her haben die Menschen zusammengeschwei├čt, denn die waren aufeinander angewiesen.

Ich w├╝rde mir w├╝nschen, die jungen Leute w├╝rden viel mehr auf die "Alten" h├Âren, ihnen wirklich zuh├Âren und verstehen, verstehen wie es fr├╝her war und dadurch f├╝r die Gegenwart lernen, was wirklich wichtig ist im Leben und in unserer schnellebigen Welt einen Weg f├╝r Ruhe und Besinnlichkeit, Freude und Liebe finden.

Au├čerdem frage ich mich, wie wird es uns ergehen, wenn wir (hoffentlich) 70, 80, 90 Jahre alt sind und ├╝ber die Vergangenheit reden. Wie wird es sein? Werden die Jungen uns vielleicht um eine Zeit beneiden, in denen wir alles hatten, aber sie uns, die alten Generationen verachten, weil sie die "Erde ausschlachteten"?? ├ťberspitzt formuliert. Wir uns in einer Zeit wiederfinden, wie in "Interstellar" dargestellt, in der Lebensmittelknappheit herrscht (und die Menschheit kurz vor dem Untergang steht)? Ich hoffe nicht.
Wie schon im "Zukunfts-Thread" gesagt, bin ich eher der Optimist und die Menschheit die nahen Zukunftsprobleme bew├Ąltigt und ├╝ber sich hinausw├Ąchst...

Also h├Ârt zu, den Geschichten und Weisheiten lebenserfahrener Menschen.

Ich nahm mir zu wenig Zeit f├╝r meinen Vater und ihn zuzuh├Âren. Aus verschiedensten Gr├╝nden. Das bereut man erst, wenn er nicht mehr da ist, und dir nichts mehr erz├Ąhlen kann.


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Re: Erinnerungen...

#2

Beitragvon Sponskonaut » Fr 21. Nov 2014, 11:41

Auf jeden Fall gebe ich dir recht, wenn du sagst, dass es sehr interessant sein kann, wenn man sich die Geschichten von ├Ąlteren Menschen mal anh├Ârt. Mein Vater ist ja Baujahr 1939, meine Mutter ist noch zwei Jahre ├Ąlter, und beide haben schon uns schon viele Stories aus ihrem Leben erz├Ąhlt, was vor allem dann interessant ist, wenn es um die eigene Familie geht.

Wenn ich das alles h├Âre, wie es fr├╝her war, vorallem nach dem Krieg, denke ich mir schon, in was f├╝r einen Luxus wir heute eigentlich leben?
Wenn von den guten Zeiten erz├Ąhlt wird, wie zB von der Weihnachtszeit, den Duft von Keksen, wo Weihnachten, noch ein ruhiges wirklich besinnliches Weihnachten war, ohne diesen Konsumwahnsinn, den wir heute haben, dann stelle mir das wirklich als ein Fest der Freude vor. In dem ein pers├Ânlich gebasteltes Geschenk den Leuten viel mehr Freude machte, als jedes 08/15 Technikpresent von heute.

Ein St├╝ck weit stimmt das sicherlich, wobei der Mensch nat├╝rlich auch dazu neigt, die Vergangenheit arg zu romantisieren. Ich denke, es liegt einfach in der Natur des Menschen, schlechte Erinnerungen "automatisch" auszublenden und den sch├Ânen mehr Raum zuzugestehen. Und bei allem vermeintlichen technologischen Luxus, den die jungen Generationen heute genie├čen d├╝rfen, darf man nicht vergessen, dass diese jungen Menschen in eine Welt hineingeboren werden, die mit ganz eigenen Problematiken aufwartet: Arbeitslosigkeit, ├ťberbev├Âlkerung, Terrorismus, die belastete Umwelt... Und da lie├čen sich sicherlich noch mehr Punkte finden.

Was Weihnachten angeht, muss man aber auch sagen, dass es immer schon so war, dass das Fest der Liebe immer nur so sch├Ân ist, wie man es sich selbst gestaltet. Nat├╝rlich freue ich mich auch ├╝ber Geschenke. [zwinker] Aber was den Weihnachtsstress angeht, kann ich mich wirklich nicht mehr daran erinnern, wann ich den das letzte Mal hatte. Zum einen wei├č ich sehr genau, wor├╝ber sich die einzelnen Familienmitglieder immer freuen, und zum anderen wird ohnehin alles im Netz bestellt, sodass das Get├╝mmel in der Stadt problemlos vermieden werden kann. Und da meine Eltern auch nicht mehr die j├╝ngsten sind, wei├č ich jedes Weihnachtsfest, das ich mit ihnen verbringen kann, umso mehr zu sch├Ątzen. Geschenke sind bei uns eher ein kleines "Goodie" obendrauf. Jeder Einzelne wei├č es einfach zu sch├Ątzen, eine besinnliche Zeit mit der Familie zu verbringen und dass das nichts ist, was selbstverst├Ąndlich ist. Wie gesagt, man darf sich von diesem Konsumterror "einfach" nicht einlullen lassen. [zwinker]

Ich denke auch - ich meine, da vor einiger Zeit mal eine Studie gelesen zu haben -, dass den j├╝ngeren Generationen die Familie und vor allem stabile Familienverh├Ąltnisse sehr wichtig sind. Ich vermute, dass das vor allem daran liegt, dass die Generation der, sagen wir mal, jetzt 45- bis 55-J├Ąhrigen viele Scheidungen und zerr├╝ttete Familienverh├Ąltnisse hervorgebracht hat, weil da das Selbstverwirklichen ein wichtiger Faktor ist. Die j├╝ngeren Generation legen eher Wert darauf, sowohl Familienplanung als auch Karriere von vornherein unter einen Hut zu bringen. Jedenfalls bekomme ich das so immer wieder mit.

Au├čerdem frage ich mich, wie wird es uns ergehen, wenn wir (hoffentlich) 70, 80, 90 Jahre alt sind und ├╝ber die Vergangenheit reden. Wie wird es sein? Werden die Jungen uns vielleicht um eine Zeit beneiden, in denen wir alles hatten, aber sie uns, die alten Generationen verachten, weil sie die "Erde ausschlachteten"?? ├ťberspitzt formuliert. Wir uns in einer Zeit wiederfinden, wie in "Interstellar" dargestellt, in der Lebensmittelknappheit herrscht (und die Menschheit kurz vor dem Untergang steht)? Ich hoffe nicht.
Wie schon im "Zukunfts-Thread" gesagt, bin ich eher der Optimist und die Menschheit die nahen Zukunftsprobleme bew├Ąltigt und ├╝ber sich hinausw├Ąchst...

Was das angeht, muss ich mal wieder gestehen, dass ich eher ein Schwarzmaler bin... [zwinker]

Ich denke zwar schon, dass es in der Zukunft so etwas wie eine "R├╝ckbesinnung auf die analoge Welt" geben wird. Allerdings wird die wohl erst kommen, wenn es sowieso schon zu sp├Ąt ist. Den Kapitalismus wird es noch sehr lange geben - und der ist zu einem gro├čen Teil schuld daran, dass die Natur bis aufs Letzte geschr├Âpft und ihrer Ressourcen beraubt wird. Und es wird immer Leute geben, die den Hals nicht vollkriegen k├Ânnen...

Noch mal abschlie├čend: Es mag sein, dass fr├╝her vieles besser war. Aber wie schon gesagt, neigt der Mensch dazu, die Vergangenheit zu verw├Ąssern und zu romantisieren. Mit knapp 40 fallen mir auch etliche Dinge ein, die in meiner Kindheit und Jugend "besser" waren. Aber mir fallen auch mindestens genauso viele Sachen ein, die sich f├╝r mich definitiv verbessert haben. [yeshappy] Man sollte die Floskel, dass "fr├╝her alles besser war", immer sehr differenziert betrachten.


I have no country to fight for; my country is the earth, and I am a citizen of the world.
- Eugene V. Debs

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Re: Erinnerungen...

#3

Beitragvon MartyMcFly » Sa 11. Apr 2015, 20:42

Ich m├Âchte hier an dieser Stelle ein paar Worte meinen Freund widmen, den ich im Eingangspost erw├Ąhnt habe. Er war auch der Grund, warum ich diesen Thread erstellt hatte. Er ist leider vor ein paar Tagen ├╝berraschend verstorben. Er kam am Karfreitag nach einem Krankenhausaufenhalt wieder nachhause und es ging scheinbar wieder aufw├Ąrts und er war richtig gl├╝cklich wieder zuhause sein, aber drei Tage sp├Ąter ist er pl├Âtzlich von uns gegangen.
Ich hatte ihn letzten Sommer kennengelernt und er ist mir in den letzten Monaten sehr ans Herz gewachsen. Ich k├╝mmerte mich haupts├Ąchlich um ihn und durfte viel Zeit mit ihm verbringen. Er war sonst fast immer alleine und hatte lange keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn, von dem er sich zuletzt w├╝nschte, dass er sich zumindest bei ihm meldet, ein Lebenszeichen gibt.
Ich bin dankbar, dass ich ihn gekannt habe. Er hat mir vieles erz├Ąhlt, er hat vieles erlebt, vieles getan in seinem Leben, ein richtiger "Tausendsassa". Es tut mir so leid um ihn.
Als jahrelanger DJ war Musik seine Leidenschaft...





DANKE "DJ OLDKURT" ! M├Âge dir jede Tr├Ąne einen guten Platz im Himmel verschaffen.


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